


Carolina Schweig wirft einen Blick nach Italien und zeigt, was wir von unserem Nachbarland lernen können
Sind wir in Deutschland wirklich Müll-Trenn-Weltmeister?
Carolina Schweig hat das Recycling und Mülltrennungs-Thema in Italien näher unter die Lupe genommen und festgestellt: In Sachen Recycling kann Deutschland von Italien lernen!
Wir in Deutschland sehen uns gern als „Mülltrennweltmeister“. Doch ein genauer Blick nach Italien zeigt: Dort wird nicht nur konsequent gesammelt – dort wird der Kreislauf auch sichtbar geschlossen. In vielen italienischen Städten und Gemeinden stehen, wo immer sinnvoll und genug Platz ist, Sammelbehälter mit elektronischem Zugang für Anwohner. Die Containerdichte ist hoch, niemand muss weit laufen.
In der Regel wird in fünf Fraktionen getrennt:
- Leichtverpackungen (Kunststoffe/Metalle),
- Papier,
- Restmüll,
- Biomüll
- Glas.
Diese Trenn-Logik setzt sich im Alltag konsequent fort: Auf Straßenfesten, auf zentralen Plätzen,
in Bahnhöfen und an Verkehrsknotenpunkten stehen entsprechend gekennzeichnete Boxen und Sammelbehälter zur getrennten Erfassung bereit. Selbst touristisch vermietete Wohnungen sind meist mit klar beschrifteten Behältern für getrennte Sammlung ausgestattet. So wird Mülltrennung für Einheimische sowie Gäste zur Selbstverständlichkeit.
Der elektronische Zugang und die klare Systematik helfen, Fehlwürfe zu reduzieren, Berechtigungen zu steuern und Mengen transparent zu erfassen. Es entstehen saubere Materialströme, die sich effizient recyceln lassen.
Und: Es bleibt nicht beim Sammeln.
Einige Getränkehersteller setzen bereits bis zu 80 % Rezyklat (z. B. rPET) in ihren Flaschen ein. Das wird offen auf dem Etikett ausgelobt. Die deutlich veränderte Farbe der PET-Flaschen wird in Italien offensichtlich akzeptiert – sie wird eher als sichtbares Zeichen für Recycling verstanden.
Hinzu kommen erste Testläufe mit Bonussystemen des Handels: Handelsketten wie etwa Coop erproben Modelle, bei denen Kund:innen für zurückgebrachte Aluminiumdosen und PET-Flaschen Bonuspunkte sammeln können, die sich in Rabatte oder andere Vorteile umwandeln lassen. So wird Recycling nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch attraktiv.
Vielleicht sollten wir in Deutschland weniger um den Titel „Mülltrennweltmeister“ kreisen und mehr darauf achten, wie andere Länder die Lücke zwischen Sammlung, hochwertigem Recycling und tatsächlichem Rezyklateinsatz schon heute überzeugend schließen.